Ferienhaus Rhodt Theresienstrasse

     Herzlich willkommen in Rhodt unter Rietburg  -   Südliche Weinstrasse
Urlaub im Ferienhaus Theresienstrasse 10
Rhodt unter Rietburg

Urlaub zwischen Haardtgebirge und Rhein

Eisenbahn-Museum           Holidaypark Hassloch           Rund um Rhodt            Dom zu Speyer     

Das Traminerdorf  Rhodt unter Rietburg liegt an der Deutschen Weinstrasse in der Südpfalz und ist bequem zu erreichen über die Autobahn A65, Abfahrt Edenkoben.

Der historische Ort Rhodt ist im fränkischen Stil erbaut und steht unter Denkmalschutz.

Das milde Klima am Rande des Pfälzer Waldes begünstigt eine südländische Vegetation und gibt dem Landstrich seine eigene Note.

Sie wohnen in Rhodt in der Theresienstrasse in einem gemütlichen Winzerhaus von 1605. Haus und Innenhof nach Süden bilden eine abgeschlossene Einheit. Es steht Ihnen eine geräumige Ferienwohnung (75qm) zur Verfügung,  eingerichtet für 2-5 Personen. Die anderen Gebäudeteile (Hinterhaus und Kelterhaus) sind nicht bewohnt. Geniesen Sie Ihren ungestörten Urlaub in Rhodt in der wunderschönen Theresienstrasse.

Allergikergerechte Ausstattung
Vollausstattung (Spülmaschine, Mikrowelle, etc.)
Nichtraucher in den Innenräumen
Haustiere kommen nicht mit
Fahrrad-Abstellpätze überdacht
Gartenmöbel im Innenhof
Handtücher- und Bettwäsche-Service inklusive

Inklusivpreise für Handtücher- und Bettwäsche-Service

und Endreinigung

 Preis für zwei Personen                    55 Euro / Tag

                         Aufpreis für weitere Personen   8 Euro / Person                 

                                               Bildergalerie Rhodt Theresienstrasse                                                                                        

Fundstellen in

"1200 Jahre RHODT UNTER RIETBURG 772-1972"

Hermann Schroth, Bürgermeister zu Rhodt:

Seit der ersten urkundlichen Erwähnung unseres Ortes in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch aus dem Jahre 772 sind 1200 Jahre vergangen. Mehr als 40 Generationen haben in dieser Zeit in unserem Heimatort gelebt. Neben großer Not, besonders im 17. Jahrhundert, hatte unsere Gemeinde auch blühenden Wohlstand erlebt.

Die Liebe zur Heimat und die Verbundenheit zum Weinbau haben sich über Generationen hinweg vererbt. Rhodt unter Rietburg steht daher schon seit vielen Jahrhunderten mit an der Spitze der weinbautreibenden Gemeinden hier an der "Südlichen Weinstraße". Seine herrliche Lage am Ostabhang des Haardtgebirges hin zur Rheinebene ließ edelste Weine heranreifen, aber auch südländische Früchte gedeihen.

Über allen aber stand der "Traminerwein", dem unser Ort seine geschichtliche Vergangenheit und seine Blütezeit zu verdanken hat. Nicht umsonst handelt es sich bei dem ältesten Weinberg Deutschlands gegenüber der modernen Gebietswinzergenossenschaft "Rietburg" um einen 300-jährigen Traminer-Weinberg.

Wegen seiner alten Patrizierhäuser, seiner Torbögen mit Schlußsteinen, seiner Barockkirche St. Georg und seiner Kastanien-Allee in der Theresienstraße wurde das ganze Dorf unter Denkmalschutz gestellt. Rhodt unter Rietburg wird als das "Schatzkästlein der Oberhaardt" bezeichnet.

Rudolf Weiß, Pfarrer zu Rhodt:

Nebenbei Erlesenes aus den Kirchenbüchern zu Rhodt

In Ehesachen hat der Pfarrer von Rhodt vom Markgrafen besondere Vollmachten bekommen ohne Hinzuziehen der "Edelleute", d. h. der Herren von Zyllenhardt. Am 16. 7. 1714 ist in Rhodt Kirchenvisitation gewesen. Darauf wurde vom Markgrafen Karl u. a. folgender Bescheid gegeben.

  1. Lobt er den ,,Flecken" Rhodt, daß die Leute nicht mehr des Sonntags mit der Büchse und dem Gewehr auf die "Birsch" gehen wohl gar unter Versäumung des ordentlichen Gottesdienstes, und "verbiete darbey u. a. die Entheiligung solcher gottgewidmeten Tage ernstlichst und bei ohnausbleiblicher Strafe".
  2. "Verbietet er an Sonn- und Feiertagen das Weinverkaufen, Füllen, Laden und Wegfahren; kommen indes die Leute von ferne her, so kann mit Bewilligung des Pfarrers Dispens eintreten;
  3. Die Kirchenvorsteher sind fürder mit Wissen und Willen des Pfarrers zu ordnen;
  4. Verbietet er, daß bei einer Kindtaufe außer den Gevattersleuten über 10 Personen zur Kindtaufe geladen werden..."

Zur Verordnung, daß bei Kindtaufen nicht mehr wie 10 Personen teilnehmen sollen, hat vielleicht die Kindtaufe des Herrn von Zyllenhardt Anlaß gegeben. Obwohl schwer verschuldet wurden die Tauffeiern anscheinend groß aufgezogen. Auch hier heißt es: mehr scheinen als sein. Laut Taufregister wurde bei der Taufe von Johann Friedrich v. Zyllenhardt, Sohn von Carl Wilh. Zyllenhardt und seiner Frau Albertina Charlotte von Berlichingen, am 22. 9. 1709 folg. Paten eingetragen: 1. Friedrich Dietrich v. Zyllenhardt u. seine Frau, 2. Sophie Amalie geb. v. Gemmingen, 3. Johann Phil. v. Zyllenhardt, Vater, 4. Johann Reinhard v. Gemmingen u. s. Frau, 5. Eva Maria v. Gemmingen, 6. Franciscus Tolnay de Goelye u. seine Frau, 7. Sophie Charlotte v. Zyllenhardt, 8. Friedrich Wilh. v. Bauz u. seine Frau, 9. Philippine geb. v. Gemmingen, 10. Reinhard v. Berlichingen, 11. Philipp Ernst v. Berlichingen, 12. Eleonore Julianne v. Elrichshausen, 13. Friedrich v. Berlichingen u. seine Frau, 14. Maria Julianne v. Gemmingen, 15. Frl. Helene Julianne v. Berlichingen, 16. Frl. Auguste Kath. Louise v. Zyllenhardt, 17. Johann Phil. v. Zyllenhardt, Leutnant (Bruder des Kindvaters).

Bei der Taufe des 2. Kindes waren es 13 Taufpaten.

Am 19. 8.1719 befiehlt der Markgraf dem Herrn v. Zyllenhardt, das uneheliche Kind der Tochter des B. L., den die Rhodter wegen Halsstarrigkeit und Verzögerung der Hl. Taufe haben in Haft setzen lassen, unter Zuziehung ehrlicher Gevattersleute sofort taufen zu lassen und den alten B. L. so lange in Haft zu halten, bis der Taufakt vollzogen sei.

Am 1. 7.1726 erläßt der Kirchenrat in Karlsruhe den Befehl, daß Jürg S. und Nik. B., beide Ehebrecher, nicht gleich wieder zum Hl. Abendmahl zuzulassen, sondern erst zu ermahnen seien und dann erst zuzulassen, wenn der Pfarrer von ihrer Buße überzeugt sei . . .

Am 24. 3. 1733 verfügt der Markgraf, daß jährlich von der Kanzel verlesen werden soll, daß jede ledige Weibsperson, die schwanger geworden und ihre Umstände bis zu ihrer Geburt zu verdecken suche und ihr Kind etwa töte, von nun an an Leib und Leben zu strafen sei.

1756 ergingen vom Markgrafen Ermahnungen: Fluchen und Schwören seien zur Anzeige zu bringen; auf Besuch des Gottesdienstes und Empfang der Hl. Sakramente sei zu achten; Trunkenheit sei mit Arrest von 1—3 Tage bei Wasser und Brot zu bestrafen; die Geistlichen selbst werden ermahnt zur ordentlichen Amtsführung, Wort und Wandel, in Ansehen der Lehre und des Unterrichts, in Hausbesuchen, Prüfungen aus Predigt- und Katechismusunterricht. Die Jugend sei zu Gottesfurcht anzuhalten.

Der Markgraf erläßt sogar ein mahnendes Wort zur Mode und ein Wort zur Sparsamkeit bei Hochzeiten, Kindtaufen usw. Das Teilen (Herumtragen, Verschicken) von Kuchen, die "Motzen" genannt wurden, soll bei der Kindtaufe abgeschafft werden.

16.2.1718 2. S. n. Epiph. ist solemiter getaufft worden ein Jud, Nahmens Levi ein Sohn Jacobs von Hamburg, seines Alters 22 Jahr, schon geheurat hat 5. Jahr, nach 8 wöchiger Information, hat aber schlechte Hoffnung gemacht, ein guter Christ zu werden, ob er gleich die questiones catecheticas wohlgefaßt, ist in der Tauf Constantinus Gott-treu genannt worden. Gevatter und Taufzeugen waren: der hoch wohlgeboren Herr Carl Wilhelm von Zyllenhardt, Herr Amtmann Ludin, Herr Philippus Jakob Pauli (?) von Landau, abwesender Herr Stahl v. Landau, Herr Schultheiß Johann Jacob Lützelberg, Herr Joh. Nicola Caspari, Herr Michel Wolff und Georg Serr Kirchenpfleger, Michel Retzer im nahmen des Gerichts, und Georg Diez im nahmen d. Gerichts als beide Bürgermeister.

Nebenbei Erlesenes aus dem Sterberegister zu Rhodt

"Am 6.10.1699 ist gestorben und den 8.10. begraben worden Johannes Frech, gewesener Dorfmeister, welcher vor 3. Wochen in den Wolfischen Brunnen, bei dessen Aussäuberung als ein Teilhaber hinunter sich gelassen, aber das Unglück gehabt, daß der große Wassereimer, nachdem das Seil gebrochen, ihm aufs Genick gefallen, weil er dann bis man ihn heraufgeholfen, eine halbe Stunde lang im kalten Wasser bis in halben Leib stehen müssen, ist er allerdings tot herausgebracht und heimgetragen worden, und gestorben seines Alters 48 Jahr, 4 Monat weniger 7 Tag."

"Am 26.11.1699 ist gestorben Anna Barbara, Johann Val. St. Bürgers und Gerichtsverwandters Hausfrau reformierter Religion, die mit harten Worten ihrer Beständigkeit in ihrer Religion gegen den Pfarrer in Gegenwart dreier Personen bezeugt, so einer Verachtung unserer Religion angegeben, daher sie ohne Leichenpredigt den 29. zu einer Betstunde begraben worden. Gebürtigt zu Edenkoben ihres Alters ungefähr 38 Jahr."


"Am 25.1.1701 ist gestorben . . . welche das Prädikat einer Segensprecherin, zanksüchtigen Weibs und rechtschaffener Weinsäuferin und Flucherin, welches sie lange Jahr getrieben, ins Grab genommen . . ."

"Am 13. 7. ist gestorben . . . ein Erztrunkenbold, der in der Füllerei gewütet, geraset, geflucht und die schrecklichsten Sünden begangen. Gott wolle ihm ein bußfertiges Herz gegeben haben . . ."

"Am 8.8.1702 ist begraben worden Herr Christoph Molken, Leibfähnrich unter dem hochlandgräflichen Fürstenberg - Stüllingischen Schwäbischen Kreisregiment, ein ehrlicher Sohn Herrn Chr. Molken des geheimen Rats der Hehl. Dreyßherr (?) zu Straßburg hochansehnlicher Beisitzers. Welcher in seinen 9jährigen Kriegsdiensten in 5 Belagerungen und 3 Feldschlachten gewesen, und vor Landau den 6. Aug. nachts um 12 Uhr bei Bestürmung der Citadelle an dem Schlagbaum erschossen wurde."


"1703 am 9. Nov. hier in der Kirche die Leichenrede gehalten für Hans Valtin Roll, der, als die Einwohner von den Franzosen aus dem Dorfe gejagt wurden, am 12. Okt. von den Franzosen zu Tode gejagt worden, daß er in Angst und Schrecken, obgleich über Edigkoben hinaus kein Feind mehr sichtbar gewesen, nicht aufgehört hat zu laufen, bis er in Maikammer tot niederfiel in einem Alter von 47 Jahr und 7 Monat . . ."

"Am 30.10.1704 ist gestorben Hans Michael M., ein Widerwärtiger des Pfarrers, so lang ich hier bin, der gleichwie die ganze Zeit, als er ein Schultheiß gewesen, dem publico ziemlich wohl vorgestanden, und doch der ganzen Gemein Haß und Feindschaft auf sich geladen, aber in privato die Leut zu drücken, und sein Mütlein an denen zu kühlen, die ihm nur mit einem Wort zuwider gewesen, sich Tag und Nacht beflissen; ein hochmütiger Mann, der im Jahre 1695 von Dietrich Schäfer Schlosser, der ihm etwas zuwidergeredet, nebst der Turmstraf auch einen Fußfall zu tun verlangte, von französischer Regierung prätendirt (in Anspruch genommen) hat, so auch geschehen müssen.


Im August 1705 ist fast jeden Tag ein Kind beerdigt worden. "Am 13. 5.1714 ist gestorben G. W., Bürger allhier seines Alters 89 Jahre und 2 Monate, dem sein Sohn als der gottloseste Absalom, gleich wie vorher, also auch in seiner Krankheit, anstatt kindliche Treue und Liebe, rabenmäßige Untreu und Undank erwiesen, ihn höllenmäßig in Worten und Werk traktiert, daß der Vater, dem er nicht einen Trunk Wein zur Labung gegönnt, daß man ihm aus dem Wirtshaus durch oberkirchlicher Verordnung versorgen müssen, noch 4 Tage vor seinem Tod geschrieen, sonderlich darüber, daß er in währender Krankheit, wie er seinen Enkeln, des Bruchen Kindern, die bei ihm gewesen, gar ein Geringes legieren (vererben) wollen, den Vater angefallen: Schämt euch in euer Herz hinein, daß ihr noch an euren Kindern ein Dieb werden wollt. Weiches zum ewigen Gedächtnis dieses gottlosen Sohnes Jakob Weißen hier stehen soll. Den 14. hernach wurde der ehrliche G. W. begraben."

"Am 30.1.1720 wurde begraben G. L. Das ist der Erzflucher, Trunkenbold und alles gewesen der oftmals seinen Sellsorger in Gegenwart Georg Serr des alten Kirchenpflegers geflucht, daß mir der Donner ins Herz schlage, weil ich ihn in der Völlerei nicht hören wolle. Ja der selber bekannt, wie er sein Rohr (Gewehr) 3 Tage auf mich geladen und das Pferd gesattelt gehalten, mich im Vorbeigehen zu erschießen und dann zu entrücken: Ob dann nicht für Gottes Gericht zu halten, daß er den 30. nachts um 8 Uhr seine Stiege heruntergestürzt und nach 1 1/2 Stunden tot gewesen, ohne daß man ihm ein Vaterunser gebetet hat."

"Am 20.10.1724 ist gestorben Anna Margarete ein halbjähriges Töchterlein Johann Nikolaus Schäfers des Schuhmachers, welches mit einer gräulichen Hasenscharte, die daumenweit voneinander gespalten . . . nachmittags in des gnädigen Herrn v. Zyllenhardt, auch meiner H. Caspari und anderer Gegenwart, von einem Prahler gut metzgerisch geschnitten worden, welches zwar das Kind frisch noch ausgestanden, abends aber oder Mitternacht gestorben."

"Am 14. April 1711 starb Joh. Phil. v. Zyllenhardt, vom Schlag gerührt, 55 Jahre alt, vitae perdissimae (ein Mensch verruchtesten Wandels) und ward in der Kirche begraben."


"1738 im Nov. starb Phil. Jak. M., ein arger Trunkenbold. Er wartete auf der Kirchweih in der Sonne, kam Mittwochs dann voll auf's Rathaus, fiel vom Stuhl bei seinem Heimgang, daß er als tot liegen blieb." Der Pfarrer ließ ihn zwar mit dem gewöhnlichen Geläute beerdigen, aber vor dem Haus singen: "O Ewigkeit, du Donnerwort . . .", unterwegs und auf dem Gottesacker: "Warum willst du ewig sterben . . .", in der Kirche: "Erschrecklich ist es, daß man nicht . . .", nach der Predigt: "Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn . . .", nach dem Segen: "Jetzt ist Gnadenzeit, jetzt steht der Himmel offen, jetzt hat noch Jedermann die Seligkeit zu hoffen. Wer diese Zeit versäumt und sich zu Gott nicht kehrt, Schrei Wehe! über sich, wenn er zur Hölle fährt!"

Fundstellen in

Rhodt unter Rietburg "Das Schatzkästlein des Pfälzer Landes" (1938)

August Candidus, Lehrer zu Rhodt:

 Rhodt unter Rietburg.

Das "Schatzkästlein des Pfälzer Landes".

 Ein Rundgang durch die Straßen des alten Fleckens.

Zeichnungen von Aug. Croissant. Foto: Gewerbeanstalt Kaiserslautern.

Von August C a n d i d u s.

Als der kunstsinnige bayer. König Ludwig I. sich vor nunmehr etwa 90 Jahren entschlossen hatte, in der Rheinpfalz ein Schloß zu erbauen, war er jahrelang auf der Suche nach dem schönsten Fleckchen im "Garten Deutschlands", wie er die Vorderpfalz zu nennen pflegte. Und hier, am Fuße des Haardtgebirges, unter der alten Feste Rietburg, in nächster Nähe des uralten Weindorfes Rhodt unter Rietburg, und zu ihrem Bann gehörend, erstand dann "in der schönsten Quadratmeile seines Königreiches", wie König Ludwig I. diese Gegend wörtlich zu nennen beliebte, die Villa Ludwigshöhe. Die Ludwigs- und Theresienstraße, die Theresien-Kleinkinderschule, sowie ein in der Kirche in Rhodt befindlicher Sessel der Königin Therese mit Krone und Initiale "T" (silberbestickt, erinnern noch heute an die Beziehungen des Erbauers des Schlosses zu dem Dorfe Rhodt mit seiner unvergleichlich schönen Lage auf einem leicht geschwungenen Hügel am Abhange des mit der Rietburg gekrönten und samt dieser Burg der Gemeinde Rhodt gehörigen Haagberges, sowie des benachbarten über 600 Meter hohen Blättersberges, mit dem Ludwigsturm.


"Rhodt unter Rietburg", mit rund 1500 Einwohnern (207 Meter ü. M.), welchen Namen das Dorf schon im Mittelalter führte, und vor sechs Jahren auf Veranlassung des Schreibers dieser Zeilen aus historischem Interesse wieder angenommen hat, seit letztem Jahre mit dem Zusatze "an der Weinstraße", ist einer der ältesten und interessantesten Weinorte der Pfalz. Aller Wahrscheinlichkeit nach schon zur Römerzeit vorhanden, ist der Flecken im Jahre 772 zum ersten Male urkundlich erwähnt, da in diesem Jahre ein Rhodter Bürger dem Kloster Lorsch Land schenkte (Urkunde im Kloster Lorsch). Rhodt gehörte im 13. Jahrhundert zur Herrschaft Rietburg gleich den Nachbarorten St. Martin, Edighofen, Weyher und anderen Orten, kam aber im Anfang des 14. Jahrhunderts (durch Heirat) in den Besitz von Württemberg, in dem es bis zum Jahre 1608 verblieb. Da Württemberg vier Dörfer gleichen Namens besaß, so gab es unserm Rhodt den Beinamen "Rhodt unter Rietburg" (Rod unter Rippurg). Unter der Herrschaft der Württemberger nahm das Dorf im Jahre 1570, der Religion des Landesvaters folgend, den lutherischen Glauben an. Als württembergisches Lehen stand das Dorf Rhodt unter Rietburg während dieser Zeit unter verschiedenen Herrschaften. Im Archiv in Speyer befindet sich aus dieser Zeit ein in mehrfacher Hinsicht interessantes Schreiben. Bemerkenswert in dem verlockenden Schreiben ist die hervorragende Betonung des Ruhmes von Rhodt mit seinem Wachstum an Wein — "gelobt vor allem Wein, der an dem langen Gebirge von Basel bis Köln hin wächst und wiederum die Krone des Rhodter Weines ist der von lauter Tramunder (Traminer) so in der Haselhecken gewachsen ist". Und dieser gute Wein war offenbar die Ursache, dass unser Dorf Rhodt unter Rietburg, nachdem es etwa 800 Jahre württembergisch gewesen war, in den Besitz der benachbarten Markgrafschaft von Baden-Durlach überging....

Was unserem Dorfe Rhodt die besondere Note gibt, ist die geschlossene und einheitliche Bauweise, mit dem fast an jedem Hause vorhandenen Torbogen (Rundbogen), neben dem häufig noch der kleinere Rundbogen sich befindet, durch den der Personenverkehr geht.


Der Interessierte, der noch ein wenig weiter stöbern möchte, findet sicherlich in dem Büchlein mit Titel

Rhodt unter Rietburg Das „Schatzkästlien des Pfälzer Landes“
Ein Rundgang durch die Straßen des alten Fleckens Rhodt
von August Candidus

die eine oder andere interessante Zeile unter

Rund um Rhodt

Lehrer Candidus beschreibt die einzelnen Straßen mit ihren Patrizierhäusern und den Anwesen im fränkischen Baustil. Besonders geht er auf die Torbogen, Torschlusssteine, steinerne Kellerfenster und Schieber ein.


Die damalige Bismarckstraße ist heute die Edesheimer Straße (im Volksmund „Bitz“; ein alter Straßennamen, der bereits im Seelbuch der St. Georgskirche Rhodt um 1500 erscheint), die Horst-Wessel-Straße heißt heute wieder schlicht Weyherer Straße; so wie früher. Bei der Hindenburgallee handelt es sich um die Kastanienallee in der oberen Theresienstraße.
Straßen haben immer mal wieder ihren Namen geändert. In dem Rhodter Seelbuch sind die Angaben zur heutigen Weinstraße noch dreigeteilt in die Niedergasse Richtung Edenkoben, die Steingasse und die Löchelsgasse nach Süden Richtung Hainfeld. Im Volksmund wird auch heute noch die Theresienstraße als Obergasse bezeichnet.

 
Auf die Bezeichnungen „Steinstraße“ oder „Steingasse“ trifft man auch in anderen Orten der näheren Umgebung; z.B. in Klingenmünster, Göcklingen, Godramstein und Frankweiler. Im allgemeinen unterstellt man diesem Straßennamen ein Bezug zu alten Römerstraßen, da befestigte Straßen früher eher unüblich waren.
Im Nachbarort Weyher, südwestlich von Rhodt, ist die Präsenz der Römer mehrfach belegt. Die Fundstellen sind u.a. auf dem Südhang unterhalb von Kirche und Friedhof und in den Neubaugebieten Richtung Rhodt. Sicherlich bestanden Straßenverbindungen zu den bekannten römischen Ansiedelungen in den umliegenden Gebieten Godramstein - Nußdorf, Sankt Martin - Maikammer-Alsterweiler und (Groß)-Fischlingen – Böbingen – Gommersheim sowie Speyer, Rheingönheim und Rheinzabern.


Über die Zeit der Landnahme durch die Rhein-Franken und zu der Zeit der Merowinger – Karolinger –Salier –Staufer ist vieles bekannt. Die Geschichte entlang der Haardt von König Dagobert, dem König von Klein-Frankreich (Austrasien), gehört wohl zu den ältesten. Sie ist bis heute aber auch sehr umstritten. Jedenfalls soll dieser König Dagobert den Bauern die genossenschaftliche Verwaltung und Nutzung des Haardtwaldes überlassen oder zumindest bestätigt haben.

Die gemeinschaftliche Nutzung von Wasser, Wald und Weide geht auf altes alemannisches bzw. fränkisches Recht zurück. Dieses Recht wurde anscheinend auch nach der Besiedelung des Gebiets entlang des Haardtgebirges bestätigt und für die Teil-Gebiete, den sog. Haingeraiden, zwischen dem Annweiler Tal und dem Hambacher Schloss geregelt. Das Gebiet um Frankweiler - Godramstein nimmt eine besondere Rolle ein; die Stichworte sind hier die Dagoberts-Hecke mit der Dagoberts-Sage und der nahegelegene Stahlbühl, ein bedeutender Gerichtsplatz und Sitz der sog. Ober-Haingeraide.

Die Geschichte der Haingeraide ist mit vielen Einzelheiten bis zur Auflösung der Genossenschaften im Intelligenzblatt der Jahrgänge 1827 – 1829 nachzulesen ( Rund um Rhodt ).

Vom Stahlbühl bei Frankweiler hat man eine sehr schöne Rundumsicht, der Platz ist gut erreichbar und die Aussicht kann durchaus mithalten mit der von der Annakapelle, der Rietburg, dem Hambacher Schloss oder der von Weyher.

Rhodt, der Jakobusweg  und die Jakobusbruderschaft

Unser früherer Pfarrer Priester schreibt auf seiner Homepage zur Rhodter Kirche:
"… spätestens 1470 wurde Rhodt als Pfarrei selbständig, zu der Zeit, als der noch jetzt stehende Kirchturm und der Vorgängerbau des heutigen Kirchenschiffs errichtet wurden.

Die Kirche war dem Ritter St. Georg geweiht. Ein Nebenaltar war "Maria und allen Heiligen" gewidmet, ein weiterer dem Viehpatron, dem heiligen Abt Wendelinus.

Im Dorf bestanden zwei Bruderschaften. Patron der einen war der Apostel Jakobus, der anderen der Märtyrerpapst Urban, der vielfach als Schutzheiliger des Weinbaus angesehen wurde".

Im Rhodter Seelbuch gibt es ebenfalls einen Hinweis auf die Jakobusbruderschaft in Rhodt.

Karl-Heinz Debus gibt als Quelle SALTIN 149/35 an und schreibt auf Seite 85 in "Pilgerwege in der Pfalz und in Rheinhessen"  Hrsg. von Robert Plötz, Peter Rückert Jakobuskult im Rheinland Aus der Reihe: Jakobus-Studien Band/Vol.: 13 ISBN 978-3-8233-6038-4 Artikelnummer: 16038 Erscheinungsdatum: 08.09.2004 Verlag: Gunter Narr Verlag:

"Besonderer Verehrung erfreute sich der heilige Jakobus in dem sich anschließenden Hambach, dessen 1221 vom Hochstift Speyer an das dortige Domkapitel veräußerte Pfarrkirche ihm geweiht worden war und deren Altarbild folglich den Pilgerheiligen darstellt wie auch ein weiteres Bild in der Sakristei, Zeichen einer lange lebendigen Tradition.

… In den südlich anschließenden Orten finden wir ebenfalls Hinweise auf einen Jakobsweg, so in Rhodt unter Rietburg mit einer früheren Jakobusbruderschaft und in Edenkoben mit einem Leprosenhaus; in Edesheim gab es ein Spital, und ein Altarbild zeigt den heiligen Jodokus, in Hainfeld sind die Heiligen Jakobus und Jodokus am Hochaltar zu sehen [bei dem Umbau der Hainfelder Kirche 1718 wurde das Patrozinium von Jakobus dem Älteren auf die heilige Barbara übertragen und die Kirche neu ausgestattet].

So gelangen wir über Nußdorf mit den unter Umständen jüngeren Bezeichnungen Jakobusbach und Jakobsbrunnen nach Landau".

Dies alles fand in der Zeit des ausgehenden Mittelalters statt mit Begleiterscheinungen wie Reliquienkult und Ablasshandel. Ein Ende fanden die Pilgerreisen quer durch Europa mit Martin Luther und der Reformation.

Heute gibt es auch in der Vorderpfalz wieder eine aktive St. Jakobusgesellschaft. Vielleicht wird irgendwann der alte Jakobus-Pilgerpfad durch Rhodt zu neuem Leben erweckt und wir erhalten in der Wintergasse die goldene Muschel auf blauem Grund als Wegweiser hinzu.